Der Saharastaub hat durchaus Einfluss auf das Schweizer Wetter: Erfahren Sie in diesem Artikel, wie diese Staubpartikel die Temperaturen und Wolkenbildung verändern.

Sahara als grösste Quelle von Mineralstaub

In unserer Atmosphäre befinden sich viele verschiedene Typen von Schwebeteilchen. Davon ist Mineralstaub ein wesentlicher Bestandteil des atmosphärischen Aerosolos, und die Sahara als grösste Trockenwüste der Welt ist die wichtigste Quelle davon.

Bei starker Turbulenz und grossem Wind über der Wüste kann es vorkommen, dass Sandpartikel ein paar Kilometer in die Atmosphäre aufsteigen. Die grösseren Partikel fallen rasch wieder zu Boden. Die kleinen Teilchen können je nach Windströmungen in den höheren Lagen über mehrere tausend Kilometer transportiert werden.

satellitenbild-saharastaub-2000
Nasa Satellitenbild: Saharastaub auf dem Weg von Afrika nach Europa (März, 2000)

Saharastaub Messungen auf dem Jungfraujoch und in Payerne

So werden bei einer starken südlichen Höhenströmung Saharastaubpartikel auch bis in die Schweiz getragen. Die Wetterstationen auf dem Jungfraujoch und die aerologische Station in Payerne messen diese Ereignisse seit 2001 genau.

Sowohl während des Frühlingswetters zwischen März und Juni, wie auch im Oktober und November, ist ein starker Einfluss des Saharastaubs über den Alpen zu beobachten. Im Sommer gibt es deutlich weniger Ereignisse, im Winter meist nur sehr kurze. Die meisten Saharastaub-Ereignisse dauern nur wenige Stunden. Nur wenige erstrecken sich über mehr als einen Tag.

Einfluss der Sandpartikel auf das Wetter

In der Regel kommt dieses Phänomen des Saharastaubs durch eine Wetterlage mit Warmluftzufuhr aus dem Mittelmeerraum zustande, zum Beispiel bei einem Tiefdruckgebiet über dem Atlantik und einem Hoch über der Ostsee. Der Druckunterschied zwischen beiden Druckgebieten sorgt dafür, dass heisse Luft direkt aus der Saharawüste nach Mitteleuropa befördert wird. Und mit ihr der Saharastaub.

Wie genau sich der Saharastaub auf das Schweizer Wetter auswirkt, ist noch Gegenstand der Forschung. Messungen über der Sahara haben gezeigt, dass der Staub einen grossen Einfluss auf die Strahlungsbilanz hat: Mehr Staub in der Atmosphäre lässt weniger Sonnenstrahlung am Boden ankommen.

Für die Schweiz bedeutet dies: Trotz warmer Luft aus dem Süden können die Sandpartikel dafür sorgen, dass die Temperaturen nicht so hoch klettern wie erwartet. Die Partikel reflektieren nämlich die Sonneneinstrahlung und dämpfen diese dadurch ab: Den genauen Einfluss auf die Temperatur ist zwar schwierig zu messen, aber er liegt in der Grössenordnung von etwa 1° C.


Trübe Aussicht vom Pilatus Kulm auf den Vierwaldstättersee (Wetter-Alarm Livecam Pilatus, 19. März 2020)
 

Bei hoher Konzentration von Saharastaub kann man ihn von blossem Auge deutlich erkennen, insbesondere in hohen Lagen: Der Himmel wirkt milchiger als sonst, da die winzigen Teilchen das Licht tendenziell streuen. Bei Sonnenauf- und –untergängen entsteht dabei eine ganz spezielle Stimmung.

Weitere Informationen dazu: Wieso ist der Himmel blau? Und wieso sind Sonnenuntergänge rötlich gefärbt?

Weiter hat der Sandstaub auch eine Auswirkung auf die Wolkenbildung. Der Saharastaub bewirkt, dass sich in den höheren Schichten der Troposphäre mehr Kondensationskerne befinden, an denen sich Tropfen bilden können. So entstehen in der Höhe ziemlich dichte Schleierwolken, sogenannte Cirren-Wolken.

Saharastaub hat auch Einfluss auf die Natur

Für Allergiker ist das Aufkommen von Saharastaub selten eine gute Nachricht: Diese Staubpartikel sind eine natürliche Quelle von Feinstaub, der ab einer bestimmten Konzentration gesundheitliche Folgen haben kann.

Auch für Pflanzen kann der Staub zu Problemen führen: Saharasandpartikel verhindern nämlich die lebensnotwendige Fotosynthese, wenn er die Pflanzenblätter bedeckt. Anderseits enthält der Saharastaub aber wichtige Mineralstoffe, die den Pflanzen als Nährstoffe dienen können.

Jährlich 500 Millionen Tonnen Sandpartikel transportiert

Insgesamt wehen jedes Jahr rund 500 Millionen Tonnen Sand aus der Sahara in verschiedene Erdteile. Von der Sahara nach Westen über den Atlantik werden viel grössere Mengen an Sand transportiert, als in Richtung Europa.

Die Passatwinde bringen die Partikel bis in den Amazonas und die Regenwälder der Karibik, wo sie entscheidend zum Pflanzenwachstum beitragen: Schätzungen zu Folge lagert sich rund 40 Millionen Tonnen Sandstaub im Amazonas-Gebiet ab, der als natürlicher Dünger für die lokale Biosphäre dient.

Der Saharastaub wirkt sich auch auf die Sturm- und Hurrikanbildung auf dem Atlantik aus. Die trockene und staubige Luft unterdrückt jegliche Sturmbildung, auch wenn alle anderen Faktoren günstig für die Sturmbildung stehen.

sahara-staub-auto
Saharastaub lässt auch auf Fahrzeugen sichtbare Spuren

Mit Wetter-Alarm den Saharastaub beobachten

Dank den über 200 Livecams in der Wetter-Alarm App können Sie die Saharastaub-Ereignisse in der Schweiz live beobachten: Insbesondere bei Sonnenaufgängen und –untergängen wirken die Staubpartikel als natürlicher Filter über die Landschaften.

Haben Sie kürzlich ein Saharastaub Ereignis beobachtet? Dann schicken Sie uns Ihre Fotos an kontakt@wetteralarm.ch – gerne würden wir diese auf den Social Media Kanäle mit unserer Community teilen!

 

Weitere Informationen

Bildquellen