Interview – Urs Krebs ist Leiter Marketing und Verkauf sowie Miteigentümer der Firma Seitz Phototechnik AG, der Herstellerin der via Wetter-Alarm aufrufbaren Livecams. Die Firma blickt auf über 60 Jahre Firmengeschichte zurück. Urs Krebs erklärt uns die Funktionsweise der hochauflösenden Panorama-Livecams.

Guten Tag Herr Krebs. Besten Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Können Sie uns kurz Ihre Firma und das Produkt „Roundshot Livecams“ vorstellen?
Das Unternehmen wurde in den 1950er Jahren von Hermann Seitz gegründet. Heute wird die Firma in zweiter Generation von den Söhnen Peter und Werner Seitz sowie von mir geführt. Somit sind wir seit über 60 Jahren in der Konzeption und Produktion von Panorama-Kameras tätig.
Der Kopf der Roundshot Livecam dreht bis zu 360° um die eigene Achse und nimmt so nahtlose hochauflösende Panoramabilder auf. Auf der Basis unserer ersten digitalen Panorama-Kamera bauten wir 2002 die erste Livecam für einen Kunden in Basel. Zu dieser Zeit waren wir noch weit entfernt von Bildern im Vollbildmodus, da dies die Bandbreite von ISDN- und ADSL-Anschlüssen nicht zuliess. Dank der flächendeckenden Erschliessung mit Glasfaser-Internet war für die Roundshot Livecam der Weg geebnet und die Panorama-Bilder mit bis zu 66 Mio. Pixeln konnten nun problemlos aufs Internet gestellt werden.
Nach und nach kamen viele Hardware- und Software-Entwicklungen hinzu. Die Entwicklung hört jedoch hier nicht auf, im Gegenteil: Die Firma Seitz investiert laufend viele Ressourcen in neue Livecam-Entwicklungen.

In der Wetter-Alarm App liefern die Roundshot Livecams atemberaubende Bilder aus den Bergen, an den Seen und in verschiedenen Städten der Schweiz. Funktionieren die Livecams grundsätzlich bei jedem Wetter?
Selbstverständlich, dies ist auch die Voraussetzung für den Betrieb der Livecams. Unser neuestes Modell, die Livecam Generation 3, ist sehr robust. Diese Livecam misst 31cm in der Höhe und hat einen Durchmesser von knapp 19cm. Ihr Gewicht beträgt rund 5kg.
Die Kamera ist mit Computer und Motoren in einem wasser- und wetterfesten Gehäuse verbaut. Eine Heizung ist per Thermostat angeschlossen und aktiviert sich, sobald die Temperatur unter einem kritischen Wert fällt. Wir bauen Livecams seit nunmehr 15 Jahren und haben bereits viele Kameras an klimatisch sehr anspruchsvollen Standorten installiert. Sei es auf dem Jungfraujoch, auf 3‘500 m.ü.M. – oder aber auf Spitzbergen, das sich mit einer geografischen Breite von 80° N praktisch am Nordpol befindet.

Wo werden die Roundshot Livecams hergestellt?
Alle unsere Kameras werden in der Schweiz hergestellt und bei uns, in unserer Fabrik in Lustdorf (TG) montiert und getestet. Wir erfüllen die einschneidenden „Swissness“-Standards und können daher unsere Produkte mit grossem Stolz als „swiss-made“ auszeichnen.

„Die Livecams generieren in der Regel alle 10 Minuten ein neues Panorama. Je nach Sonnenstand entstehen so zwischen 50 und 90 Bilder pro Tag. Multipliziert mit circa 200 Kameras ergibt dies täglich zwischen 10’000 und 18’000 Panoramas.“

Wie viele Bilder werden in der Schweiz pro Tag aufgenommen? Und an welchen Tagen gibt es die meisten Zugriffe auf die Bilder?
Die Livecams generieren in der Regel alle 10 Minuten ein neues Panorama. Je nach Sonnenstand entstehen so zwischen 50 und 90 Bilder pro Tag. Multipliziert mit circa 200 Kameras ergibt dies täglich zwischen 10’000 und 18’000 Panoramas, was alleine für die Schweiz einer täglichen Datenmenge von circa 40 – 72 GB entspricht. An Spitzenzeiten im Winter erreichen wir auf unserer IT-Plattform bis zu 300’000 Pageviews – und dies täglich.

Weshalb gibt es in einigen Gebieten sehr viele Livecams, in anderen eher weniger?
Einerseits ist es natürlich so, dass sich die Livecams praktisch selbst bewerben und für potentielle neue Kunden jederzeit sichtbar sind. Anderseits lebt unser Geschäft auch von Mund-zu-Mund Propaganda, was eine eher regionale Ausbreitung fördert. Das Tessin ist zum Beispiel für uns zurzeit ein eher unbekanntes Gebiet. Dies möchten wir im Jahr 2018 aber definitiv ändern.

Roundshot Livecam (Interview)

Roundshot Livecams sind aber auf der ganzen Welt installiert. Können Sie uns verraten, in welchen Ländern die meisten Kameras aufgestellt sind?
Aktuell liegen wir in der Schweiz mit 187 Livecams an der Spitze, was nicht ganz verwundert, da wir als Hersteller in der Schweiz auch gleich den direkten Kamera-Service wahrnehmen können, was von unserer Kundschaft sehr geschätzt wird.
Die Schweiz wird von Österreich dicht verfolgt, mit aktuell 96 Roundshot Livecams. Diese werden von unserem Partner Panomax installiert und mit einer eigenständigen Software-Lösung betrieben. Der drittgrösste Markt für unser Produkt ist aktuell Frankreich mit 51 Livecams. Auf den nächsten Plätzen folgen Italien (49 Livecams), Deutschland (41), Norwegen (28) und die USA (18). Wir haben jedoch auch in Finnland, Spanien, Grossbritanien, Dänemark, Luxemburg, Australien, Griechenland, Kanada, Neuseeland und Israel vereinzelte Kamera-Standorte.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um eine solche Kamera installieren zu können? Braucht es eine Bewilligung oder ähnliches?
Die allerwichtigste Voraussetzung ist ein landschaftlich schöner Standort, der sich für eine tolle Rundum-Aufnahme eignet. Wir legen anlässlich einer Demo vor Ort stets grossen Wert darauf, den aus fotografischer Sicht attraktivsten Standort zu wählen. Da es sich nicht um eine fixe Veränderung an einer Baute handelt und die Kamera auch jederzeit wieder deinstalliert werden kann, ist in der Regel keine Baubewilligung nötig. Dies höchstens dann, wenn es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt.

„In den meisten Fällen ist der Wartungsaufwand sehr gering bzw. praktisch inexistent. Das Glas des wetterfesten Gehäuses ist selbstreinigend. Unsere eigene Roundshot Demo Livecam der Generation 2 funktioniert nun seit 8 Jahren störungsfrei und ohne jegliche Wartung.“

Kann man eine Roundshot Livecam selber installieren? Oder braucht es da spezifisches Wissen?
Grundsätzlich ist dies möglich. Wichtig ist, dass der Mast, die Stromversorgung sowie der Internet-Anschluss (per DSL, W-LAN oder GSM) und die Firewall gut vorbereitet sind. Dann ist die Inbetriebnahme der Kamera «plug & play». Für isolierte Standorte ohne DSL Anschluss ist eine Datenübertragung auch per 3G/4G möglich. Fehlt die Stromanbindung, ist die Installation einer Solaranlage zur Speisung der Kamera eine Option. Alle Installations-Vorarbeiten sind in unserer Dokumentation beschrieben – zudem stehen wir unseren Kunden dafür stets unterstützend zur Seite.

Welche Einstellungen werden bei der Montage vorgenommen? Auf was muss man beim Installieren der Livecams achten?
Sobald die Kamera am Mast installiert ist, über Strom und Internet verfügt, kann sich ein Roundshot Techniker per VPN auf die Kamera verbinden, um die Livecam optimal für den Betrieb zu konfigurieren. In Rücksprache mit den Kunden werden auch gewisse Stellen im Panorama-Bild verpixelt, damit man keine Personen oder Gegenstände von Personen erkennen kann.

Was kostet die Anschaffung einer Roundshot Livecam? Und was kostet der jährliche Betrieb einer Livecam?
Der aktuelle Verkaufspreis für die 360° Livecam inklusive eingebautem Linux-Computer, Aufnahme-Software sowie Netzgerät und Strom-/Ethernetkabel liegt bei CHF 6’800 ohne MwSt. Für den jährlichen Betrieb stehen zwei Daten-Abos zur Auswahl: ein günstiges «Web Service» Economy Package für CHF 900.– oder ein Voll-Paket für CHF 1’800.– jährlich. In unserem «Web Service» enthalten sind die Nutzung der verschiedenen Webseiten für Standard-Computer und mobile Computer, unsere Applikationen und Programme, sowie das CMS-Backend. Mit dabei ist selbstverständlich auch unsere Fernwartung inklusive Aktualisierungen.

Wie häufig werden die Roundshot Livecams gewartet? Wie verläuft die Wartung von solchen Livecams?
In den meisten Fällen ist der Wartungsaufwand sehr gering bzw. praktisch inexistent. Das Glas des wetterfesten Gehäuses ist selbstreinigend. Unsere eigene Roundshot Demo Livecam der Generation 2 funktioniert nun seit 8 Jahren störungsfrei und ohne jegliche Wartung. Das Gleiche gilt für eine Vielzahl an Kunden-Kameras in der Schweiz und weltweit. Von Zeit zu Zeit ist es nötig, den Aufnahme-Computer zu aktualisieren oder auszuwechseln.
Bei stark wetterexponierten Livecams kann es vorkommen, dass es zu Blitzschäden kommt. In diesen Fällen werden die Livecams in unserer Werkstatt instand gestellt. Das Auswechseln der Elektronik-Komponenten geschieht in Zusammenarbeit mit unserem Schweizer Elektronik-Lieferanten. Da wir sehr hohen Wert auf die Verlässlichkeit unserer Kamera-Systeme legen, ist unser Reparatur-Service eine Selbstverständlichkeit.

Können die Livecams auch gemietet werden?
Dies ist möglich, zum Beispiel für Festivals oder Sportanlässe. Wir durften bereits verschiedene Eidgenössische Feste wie das Eidgenössische Schwing- & Älplerfest in Frauenfeld oder das Eidgenössische Schützenfest mit einer 360° Webcam-Lösung unterstützen. Aber auch bei Baustellen installieren wir temporäre Installationen. Ab 6 Monaten Betriebszeit ist es auch möglich, das Livecam System zu mieten, was eine sehr flexible Baudokumentation ermöglicht.

Ist es mit den Roundshot Livecams auch möglich, Videos zu streamen?
Jein. Mit unserem neuesten Produkt, der Roundshot Livecam Generation 3, können wir eine HD-Videokamera mit sehr guter Bildqualität verbauen. Grundsätzlich ist es möglich, das Livebild der Videokamera direkt in einem internen Netzwerk zu streamen. Für eine Verbreitung im Internet wäre dazu aber eine hohe Komprimierung erforderlich, was nicht im Einklang mit der hohen Bildqualität der Livecam steht. Wir haben unsere Video-Funktionalität so implementiert, dass die Kamera zwischen Panorama-Fotos kurze Video-Sequenzen aufnimmt und dabei bis zu 360° gedreht wird. Diese Sequenz wird auf dem Kamera-Computer gespeichert und auf unseren Server transferiert, wo die Videos als 1 bis 2-minütige Sequenzen abrufbar sind. So können wir ein tolles Foto-Panorama mit Bewegtbildern ergänzen. In bester Video-Qualität und ohne Komprimierung werden so die Bewegungen z.B. einer Seilbahn oder sich bewegenden Skiläufer praktisch live übertragen.

Sie haben die Web-Server angesprochen. Wie funktioniert dies genau?
Zu Beginn des Livecam Produkts wurde eine einfache php Webseite direkt auf dem Livecam-Aufnahme-Rechner gehostet. Schnell merkten wir jedoch, dass dies für unsere anspruchsvolle Kundschaft im Tourismus-Sektor hinsichtlich Bandbreite, Leistung, Individualisierung und Fernwartung unzureichend ist.
Deshalb setzten wir auf eine zentrale Webserver-Lösung, welcher die Bilder verarbeitet und für verschiedenste Formate (PCs, Smartphones, Tablets, grosse Bildschirme/Netzwerke etc.) aufbereitet. Mittlerweile haben wir für unsere IT-Lösung 7 separate Server und 3 virtuelle Maschinen im Einsatz. Unsere Kunden haben alle direkten Zugriff über unser CMS-Tool, um die Frontend Einstellungen zu konfigurieren, die Bilder in einer Datenbank zu verwalten sowie die Livecam Bilder mit verschiedensten Codes einzubetten oder zu teilen. Damit wir unseren Kunden einen Top-Service bieten können, verkaufen wir das Livecam Produkt nie nur als Hardware. Mit unserem Web-Service haben unsere Kunden Zugriff auf alle IT-Tools (html5 Webseite, html4/mobile, Roundshot Livecam app, Roundshot Livecam Global app, Bildschirmschoner-Programme, Seiten im TV-Layout für Bildschirme, CMS inklusive 7/7 Fernwartung durch das Seitz Team).

Herr Krebs, besten Dank für dieses angenehme Gespräch. Wir freuen uns, neue, schöne Panoramabilder in HD-Qualität in unserer Wetter-Alarm App betrachten zu können!

Urs Krebs, Seitz Phototechnik AG
Urs Krebs
Leiter Marketing & Verkauf, Miteigentümer der Firma Seitz Phototechnik AG