Der Windchill-Effekt – warum sich die gemessene Temperatur kälter anfühlt

Temperaturen fühlen sich nicht immer gleich an, obwohl die gemessene Temperatur die gleiche ist. Der Windchill-Effekt und damit das Empfinden unserer Haut ist dafür verantwortlich.

Windchill beim Schneeschuhlaufen

Windchill-Effekt in der Wetter-Alarm App

Wie fühlt sich die aktuelle Temperatur an? Mit dem neusten App-Update von Wetter-Alarm wird bei einer Temperatur von 10° C oder kälter nun auch der Windchill-Effekt als "gefühlte" Temperatur abgebildet.

Gefühlte Temperatur auf dem Jungfraujoch

Was ist der Windchill-Effekt?

Unser Gefühl einer Temperatur ist der Ausdruck dessen, was unsere Haut empfindet. Die Haut empfindet dabei eine bestimmte Temperatur kälter als sie effektiv ist. Dabei spielt die gemessene Temperatur, und vor allem die Windgeschwindigkeit, die entscheidende Rolle. Weht der Wind, so wird uns schneller kalt als bei kühleren Temperaturen mit Windstille. Der Windchill-Effekt drückt den Unterschied zwischen der tatsächlichen Temperatur und der Kälteempfindung aus, welche durch die kühlende Wirkung des Windes beeinflusst wird.

An der Hautoberfläche schwebt eine warme Luftschicht, die uns bei kühleren Temperaturen wärmt. Durch den Wind wird diese Schicht gestört bzw. weggeblasen, dadurch erhöht sich die Verdunstungsrate der Haut. Der Körper muss dafür mehr Energie aufwenden, welche dem Körper abgezogen wird. Durch dieses ständige wegblasen der warmen Luftschicht nimmt die Oberflächentemperatur des Körpers ab und wir empfinden Kälte.

Berechnung des Windchill-Effekts

Der Windchill kann als Masseinheit für den Verlust von Wärme beschrieben werden. Dieser Effekt wird ab Temperaturen unterhalb der 10 °C Marke definiert. Der Windchill-Faktor ist ein Wert der sehr individuell sein kann. Diverse Einflussfaktoren wie Köperbehaarung, Cremes oder die Thermoregulation einer Person haben Einfluss auf das Empfinden. 

Für die Berechnung des Windchill-Faktors gibt es eine allgemein gültige Formel. Diese berücksichtigt zum einen die gemessene Temperatur und zum anderen die Windgeschwindigkeit. Die Formel bezieht dabei den wärmenden Effekt der Haut bei Windstille mit ein. So wird der Wind erst ab einer Geschwindigkeit von 5 km/h in die Berechnung miteinbezogen.

Die nachfolgende Tabelle visualisiert den Windchill-Effekt für unterschiedliche Temperaturen (+5 °C bis -50 °C) mit unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten (5 km/h bis 60 km/h).

    °C                      
km/h   5 0 -5 -10 -15 -20 -25 -30 -35 -40 -45 -50
  5 4 -2 -7 -13 -19 -24 -30 -36 -41 -47 -53 -58
  10 3 -3 -9 -15 -21 -27 -33 -39 -45 -51 -57 -63
  20 2 -5 -12 -18 -24 -30 -37 -43 -49 -56 -62 -68
  30 0 -6 -13 -20 -26 -33 -39 -45 -52 -59 -65 -72
  40 -1 -7 -14 -21 -27 -34 -41 -48 -54 -61 -68 -74
  50 -1 -8 -15 -22 -29 -35 -42 -49 -56 -63 -69 -76
  60 -2 -9 -16 -23 -30 -36 -43 -50 -57 -64 -71 -78

 

Unterschied zur gefühlten Temperatur

Der Windchill-Effekt wird häufig als die gefühlte Temperatur bezeichnet. Dies ist aber nicht richtig. Denn der Windchill beschreibt das Kälteempfinden und ist nur ein Teil der gefühlten Temperatur. Diese hängt von weiteren Faktoren, wie der Luftfeuchtigkeit, oder dem individuellen Wärmeempfinden einer Person ab. Das Wärmeempfinden wird von Faktoren wie der Herkunft, dem Gewicht, Körpergrösse, Aktivitätsgrad, Kleidung, der Sonneneinstrahlung sowie der Eigenschaft der Haut bestimmt. 

Jedoch gibt der Windchill-Effekt eine Anhaltspunkt, wie die gemessene Temperatur in Kombination mit dem Wind empfunden wird. Wetter-Alarm zeigt den Windchill-Effekt bei der aktuellen Temperatur an, sofern diese nicht höher als 10° C ausfällt.

Gefahren und Umgang mit Windchill

Bei kalten Temperaturen und hohen Windgeschwindigkeiten kann es bei unzureichender Kleidung zu zwei gefährlichen Situationen kommen:

  • Bei einer Hypothermie gelingt es dem Körper nicht mehr sich selbst genügend aufzuwärmen. Die Körpertemperatur sinkt und er reagiert mit Muskelzittern, Herzrasen und Schnellatmung. 
  • Ein weiteres Risiko besteht, nebst dem Verlust der Körperwärme, insbesondere für die Gliedmassen. Sind diese unzureichend geschützt und während einer längeren Zeit grosser Kälte ausgesetzt, so kann es zu Erfrierungen kommen. Hierbei wirkt die Kälte nicht auf den Kreislauf, sondern direkt auf das Gewebe. Bei langanhaltender Kälte unter 0° C können Blutgefässe und Zellen absterben.

Bei Kälte und Wind in Kombination mit einer langen Exposition, ist zudem Vorsicht geboten. Insbesondere bei Sportarten wie zum Beispiel Skifahren, Langlauf oder auch Radfahren sollten zusätzlich winddichte Kleidungsstücke genutzt werden. Denn auch der Fahrtwind beinflusst die gefühlte Temperatur. So oder so, sollten stets die Wetterverhältnisse in die Planung von Freiluftaktivitäten mitberücksichtigt und Reservenkleider eingepackt werden.

  • Bild:
  • pixabay.com