Verschiedene Windstürme, kaum Schnee im Flachland und zu warme Temperaturen: Der Winter 2019/20 in der Schweiz war ein Winter der Rekorde. Ein Rückblick auf das Wetter im Dezember, Januar und Februar.

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Winterbeginn im Wallis (Quelle: Webcam Guttet-Feschel, 12. Dezember 2019)
 

Extrem milder Winterbeginn im Dezember

Seit Messbeginn war der Dezember 2019 der drittwärmste Dezember seit Messbeginn – einzelne Föhntäler registrierten sogar den mildesten Dezember seit Messbeginn. Mit einem landesweiten Temperaturmittel von 0,8° C stieg der Monat 2,5° C über die Norm 1981-2010.

Die Hochdruckphase im ersten Dezemberdrittel führte auf der Alpennordseite oftmals zu Hochnebel, der sich regional nur teilweise oder gar nicht auflöste.

Während der Föhnperiode Mitte Dezember fiel auf der Alpensüdseite anhaltend Niederschlag. Mehrere Messstationen der Alpensüdseite vermeldeten den niederschlagsreichsten Dezember der letzten 50 Jahre: In Lugano liegt der Dezember 2019 mit 200 mm Niederschlag auf Rang 9 der nassesten Dezembermonate seit Messbeginn 1864.

 

Sonnenscheinrekorde im Januar

Die städtischen Messstationen von Bern, Genf, Zürich oder Basel registrierten im Januar 2020 neue Sonnenscheinrekorde: Der neue Rekord für Bern liegt nun bei 137 Sonnenscheinstunden – das sind rund vier volle Sonnentage mehr als im Mittel.

Der Januar 2020 wurde auch von Trockenheit geprägt: Die Niederschlagsmengen erreichten auf der Alpensüdseite nur 10 bis 30 %, regional sogar nur 5 bis 10 % Norm 1981-2010. Auch in den übrigen Gebieten der Schweiz fielen meist nur 30 bis 60 % der erwarteten Niederschlagsmenge.

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Unwetterkarte beim Sturmtief „Sabine“ (Quelle: Wetter-Alarm App)
 

Ein stürmischer Februar mit den Sturmtiefs «Petra», «Sabine», «Tomris» und «Bianca»

  • Kurz nach dem ersten Februarwochenende wehte das Sturmtief «Petra» mit Windgeschwindigkeiten von bis zu über 100 Stundenkilometern.
  • Eine knappe Woche später sorgte das Sturmtief «Sabine» für stürmische Verhältnisse in der Schweiz. Im Flachland wurden Böenspitzen mit bis zu 130 km/h gemessen; auf den Berggipfeln wurden Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h erreicht. Wetter-Alarm verschickte zum ersten Mal in der Geschichte grossflächige Sturmwarnungen der höchsten Warnstufe «rot».
  • Nur zwei Tage später, kam das Sturmtief «Tomris» als Nachfolger von «Sabine». Auch diese Windgeschwindigkeiten hatten es in sich: Bei der Konkordiahütte wurden Windgeschwindigkeiten bis zu 154 km/h gemessen, auf dem Titlis bis zu 150 km/h.
  • Am Ende des Monats, um den 27. Februar 2020, folgte das Sturmtief «Bianca». Mit kräftigen Böen ist am Donnerstagabend «Bianca» mit seinem Zentrum nördlich der Schweiz vorbeigezogen: Das Sturmfeld erfasste vor allem das Gebiet vom Hochrhein bis zum Bodensee. Dabei wurden in der Schweiz Windgeschwindigkeiten bis zu 169 km/h (Konkordiahütte) gemessen. Der mit dem Sturmtief einsetzende Niederschlag sorgte für verbreiteten Schneefall bis ins Flachland.

Auch bezüglich den Durchschnittstemperaturen war der Februar 2020 ein Februarmonat der Extremen: Landesweit war er der zweitwärmste Februar seit Messbeginn 1864, nur der Februar 1990 zeigte sich ähnlich warm. Lokal gab es Tageshöchstwerten mit zum Teil 18° bis über 20° C, welche eher frühlingshaftem Wetter ähnelten als einem Wintermonat.

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Winterbilanz: Der wärmste Winter seit Messbeginn

Der Winter 2019/20 war der wärmste Winter seit Messbeginn 1864. Im Vergleich zur Norm 1981–2010 war das Wetter nördlich und südlich der Alpen überdurchschnittlich sonnig. Wesentlich dazu beigetragen hat der extrem sonnige Januar. In den Alpen bewegte sich die winterliche Sonnenscheindauer im Bereich der Norm.

Durch den sehr stabilen «Polaren Stratosphärenwirbel» und fehlenden Kaltluftausbrüchen aus dem Norden, kam es im Schweizer Flachland im Winter 2019/20 eher selten zu Schneefall. Im Schnitt war der Winter in der Schweiz um 0,7° C zu warm, wobei insbesondere der Februar extrem mild ausfiel.

Neue Rekorde brachten auch die Windstürme vom Februar: Insgesamt vier verschiedene Sturmtiefs mit Windgeschwindigkeiten von deutlich über 100 Stundenkilometern führten zu hoher Gefahr für das Hab und Gut der Schweizer Bevölkerung. So verzeichneten die Kantonalen Gebäudeversicherungen Kosten in Millionenhöhe: Alleine die Gebäudeversicherung Bern schätzt die Kosten von 8’900 Schadensmeldungen auf mindestens 20 Millionen Franken, die Gebäudeversicherungen in Zürich und St.Gallen schätzen ihre Schadenssumme auf je etwa 6 Millionen Franken.

Die Schweizer Bevölkerung wurden zudem in ihrer Mobilität von den Windstürmen stark beeinträchtigt: Etliche Züge konnten nicht fahren und wurden durch Busse ersetzt, auchmusste der Flugverkehr an den Flughäfen Zürich und Genf eingeschränkt werden.

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Quellen:
Titelbild: phototraveler.ch
Beitragsbilder: Webcams & Screenshots aus Wetter-Alarm
Statistiken: Bundesamt für Meteorologie