Die Schneefallgrenze: Wie tief fällt der Schnee?

Die Schneefallgrenze sinkt auf 1'000 Meter über Meer. In Wetterprognosen sind wir uns diesen Satz gewohnt. Doch um was handelt es sich bei der Schneefallgrenze effektiv und wie wird diese ermittelt?

Sonnenaufgang am Jungfrau Ostgrat

Die Schmelzzone

Es wird langsam kälter draussen und ein immer wiederkehrender Begriff aus der Meteorologie wird zum Begleiter im Winter. Die Schneefallgrenze. Diese beschreibt die Grenze, wo der fallende Schnee zu schmelzen beginnt. Die Schneefallgrenze ist nicht zu verwechseln mit der Nullgradgrenze, denn der Schnee kann auch bei positiven Temperaturen fallen. Bei der Schneefallgrenze handelt es sich nicht um eine punktgenaue Höhenangabe. Die Schneefallgrenze wird oft als mehrere hundert Meter dicke Schmelzschicht definiert. Diese Schmelzzone befindet sich unterhalb der Nullgradgrenze. In dieser Schicht beginnen die Schneekristalle zu schmelzen und es kommt zu Schneeregen oder Regen. Wie gross diese Schicht ist, hängt von der Luftfeuchtigkeit und der Luftschicht unterhalb der Nullgradgrenze ab.

Visualisierung der Schneefallgrenze
Ermittlung der Schneefallgrenze, Quelle: In Anlehnung an SRF

Ermittlung der Nullgrad- und Schneefallgrenze

Um die Schneefallgrenze zu ermitteln muss zuerst die darüberliegende Nullgradgrenze eruiert werden. Dies erfolgt mit einer spezifischen Höhenwetterkarte. Diese stellt die Temperatur in einem gewissen Druckniveau von 850hpa (Hektopascal) mit Linien in gleicher Temperatur dar. Das Niveau von 850 hpa befindet sich im Durchschnitt auf einer Höhe von 1'450 Meter über Meer. Mit dieser Wetterkarte wird nun die Temperatur dargestellt sowie die Höhe, auf welcher sich die Temperatur befindet. Zusammen mit der Temperaturabnahme pro Höhenmeter sowie der Luftfeuchtigkeit können Modelle nun die Nullgradgrenze ermitteln.

Nun stellt sich die Frage, wann die Schneeflocken auf dem Weg zum Boden komplett schmelzen. Dazu ist die Luftfeuchtigkeit in den Luftschichten unterhalb der Nullgradgrenze zentral. Handelt es sich um eine sehr gesättigte Luft mit einer relativen Feuchte von 100 %, so beginnt der Schmelzprozess direkt an der Nullgradgrenze. Beträgt die relative Feuchtigkeit weniger als 100 %, wird den Schneeflocken durch den Sublimationsprozess (direkter Übergang vom festen in den gasförmigen Zustand als Wasserdampf) Wärme entzogen. Dies hat eine Verzögerung im Schmelzprozess zur Folge. Fällt also eine Schneeflocke in eine trockene Luftschicht mit positiven Temperaturen, so kann es auch mehrere hundert Meter unterhalb der Nullgradgrenze noch schneien. Des Weiteren hat die Niederschlagsintensität einen direkten Einfluss auf die Dicke der Schmelzzone. Je höher die Niederschlagsstärke, desto dicker ist die Schmelzzone und damit umso tiefer die Schneefallgrenze.

Um die Schneefallgrenze zu berechnen ist die permanente Information über aktuelle vertikale Temperaturen und Feuchteverteilungen der Athmosphäre vonnöten. Dies ist allerdings zum heutigen Zeitpunkt nicht realisierbar. Dank diverser Wettermodelle lässt sich diese Grenze aber relativ gut bestimmen. Liegen solche Modellrechnungen nicht vor, dient als Richtwert eine 200 bis 300 Meter dicke Schmelzschicht unterhalb der Nullgradgrenze als Annahme.

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