Wie entsteht eine Schneelawine?

Im Winter wird in Bergregionen mit Schneelawinen gerechnet. Am einfachsten ist es in gesicherten Skigebieten zu bleiben. Jedoch können aber auch in sicheren Hängen Lawinen abgehen. Was sind Schneelawinen und wie entstehen diese? Wie soll man sich im Ernstfall vorbereiten und wie verhält man sich während und nach einer ausgelösten Lawine?

Schneelawine
Ausgelöste Schneelawine

Was ist eine Schneelawine?

Lawinen bestehen aus Schneemassen, die bei raschem Absturz auf steilen Hängen Gefahren oder Schäden verursachen können. Wegen des wechselnden Wetters liegt der Schnee in alpinen Gebieten meist in Schichten übereinander. Wenn sich am Hang grosse Schneemengen ansammeln, können sich diese lösen und nach unten rutschen.

Wie ist eine Lawine aufgebaut?

  • Anrissgbiet: In steilen Hängen liegt meistens das Anrissgebiet und von dort aus kann sich die Lawine lösen.
  • Sturzbahn: Bei der Sturzbahn geht die Lawine hangabwärts, bis es deutlich flacher wird (10° - 20°).
  • Auslaufgebiet: Da die Neigung bei flachen Hängen fehlt, kommt die Lawine hier zum Stehen. Somit bleibt der Schnee dort liegen.

Entstehung einer Lawine

Damit eine Lawine entstehen kann, braucht es eine kritische Schicht. Diese kann innerhalb der Schneedecke oder am Übergang vom Boden zum Schnee liegen. Eine Lawine kann dann ausgelöst werden, wenn sich die Spannungsverhältnisse in der Schneedecke ändert, die Verbindung zwischen den Schneepartikeln aufbricht (sog. Initialbruch), genügend steiles Gelände (>30°) vorhanden ist, sowie eine auslösende Kraft, die den Initialbruch erzeugt, eintritt. Eine auslösende Kraft kann dabei ein Tier oder unvorsichtige Skifahrer*innen sein, welche außerhalb der Pisten unterwegs sind. Jedoch kann die weisse Pracht auch dann ins Rutschen geraten, wenn innerhalb einer kurzen Zeit enorm viel Neuschnee gefallen ist. In allen verschiedenen Bergregionen der Erde kommen Lawinen vor und sind eine Bedrohung für die dort lebenden Menschen. Sie zählen zu den Naturereignissen wie Erbeben, Vulkanausbrüche, schwere Stürme etc. Die Bergbewohner*innen haben schon seit Urzeiten grössten Respekt vor Lawinen und versuchen Ihre Abläufe zu verstehen.

Faktoren die eine Lawinenbildung beeinflussen

  • Neuschnee + Wind = Lawinengefahr
  • Kurzfristiger Anstieg der Lawinengefahr durch schnelle und markante Erwärmung.
  • Schwache Schichten in der Schneedecke.
  • Niederschlag (je mehr Neuschnee, desto gefährlicher; Regen: Anstieg der Lawinengefahr durch Gewicht des Wassers).
  • Gelände (Hangneigung: je steiler und schattiger desto gefährlicher), Exposition und Geländeform.
  • Der Mensch: Rund 90% aller Lawinen werden vom Menschen ausgelöst. 

Lawinenarten

Lawinenschutz

Es gibt verschiedene Möglichekeiten eine Laiwnenbildung einzuschränken oder abzubremsen.

Eine Möglichekteit wäre dabei durch einen Verwehungsverbau (Schneezaun, Kolktafeln oder Düsendach). Dabei verhindert der Verwehungsverbau eine ungünstige Ablagerung des Schnees durch den Wind an möglichen Anbruchstellen. Eine andere Möglichkeit wäre durch Stahl-Schneebrücken, Holz-Schneeerchen oder Schneenetzen (sog. Stützverbau) den Schnee im Lawinenhang festzuhalten, damit das Losreissen einer Laiwne verhindert werden kann. Dabei werden kleine Schneebewegungen, die im Verbau auftreten können aufgefangen und abgebremst. Falls dennoch eine Lawine ausbrechen sollte, können Bremshöcker oder Auffangdämme eine Lawine zum Stehen bringen. Der sog. Bremsverbau hat die Aufgabe die Geschwindigkeit der Lawine durch kleine Abstände zwischen den Höckern zu reduzieren. Ausserdem können Lawinen auch durch Leitkämme, Ablenkdämme oder Spaltkämme  vom gefährdeten Objekt abgelenkt werden. Der Umlenkverbau letet dabei die Sturzbah bzw. deren Auslaufbereich in eine nicht gefährdetete Richtung oder begrenzt die seitliche Ausdehung der Lawine.

Verhalten bei einer Lawine

Wenn Sie während der Winterzeit beim Skifahren, Snowborden oder beim Wandern in den Bergen unterwegs sind, sollten Sie wissen, wie Sie sich bei einem Lawinenabgang verhalten müssen.

Folgende Regeln sind vor einer Tour im freien Gelände zu beachten:

  • Schauen Sie, dass Sie in einer Gruppe unterwegs sind, niemals alleine.
  • Bevor Sie eine Tour planen, Lawinenwarn- und Wetterbericht lesen und Gelände genau studieren, um Gefahren auszuweichen.
  • Prüfen Sie vor jeder Tour Material auf seine Funktionstüchtigkeit.
  • Notfallausrüstung: Eine Lawinenschaufel und eine Lawinensonde dabeihaben. Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät). Empfehlenswert wäre auch ein Lawinenrucksack mit einem Lawinenairbag mitzunehmen.
  • Vor einer Tour mögliche Risikofaktoren wie Temperaturanstiege, Neuschnee, Wind und steile Hänge erkennen.
  • Versuchen Sie zu anderen Snowboardern und Skifahrern Abstand zu halten.

Was soll man tun, wenn eine Lawine kommt?

  • Versuchen Sie seitlich aus der Lawine herauszufahren.
  • Um die Verletzungsgefahr zu reduzieren, sollten Sie Ski und Stöcke loswerden, um das Gewicht zu reduzieren.
  • Um nicht in der Schneelawine zu versinken, versuchen Sie mit aller Kraft durch Schwimmbewegungen an der Schneeoberfläche zu bleiben.
  • Falls Sie verschüttet werden, die Arme vor die Brust und die Hände vor das Gesicht halten, um eine Atemhöhle zu schaffen, bevor der Schnee zum Stillstand kommt .
  • Im selben Moment eine hockende Stellung einnehmen.

Verhalten nach einer Lawine

  • Halten Sie sich ausserhalb des Gefahrenbereichs auf.
  • Beachten Sie die Gefahr von Nachlawinen.
  • Eine Übersicht verschaffen: Wurden von der Lawine noch andere mitgerissen? Wo befinden sich die Personen? Position für die Rettungskräfte merken.
  • Rettungskräfte alarmieren: Rega Notrufnummer: 1414, Internationale Notrufnummer: 112.
  • Verschüttete schnell freischalten. Dabei soll der Kopf so schnell wie möglich freigelegt werden.
  • Anschliessend mit lebensrettenden Sofortmassnahmen beginnen.

Wie können Lawinen auf Gebäude einwirken?

Wenn eine Schneelawine auf das Gebäude eintrifft, kann sich die Schneemasse je nach Druckwelle verformen. Dabei kann die Einwirkung von einem Riss in der Wand, ein eingedrücktes Dach, eine Verschiebung oder ein Schrägstellen bis zur kompletten Zerstörung des Hauses reichen.

Lawinenschutz bei einem Neubau

  • Klären Sie zuerst mit der Gemeinde ab, ob Ihr Grundstück in einer von Schneerutsch und Lawinen gefährdeten Region befindet.
  • Erkunden Sie sich in der Nachbarschaft mehr über die Lawinensituation. Die Anwohner und lokalen Bauunternehmen kennen sich mit der regionalen Lage aus.
  • Schauen Sie, dass Sie ihr Grundstück massiv bauen. Ausserdem ist es ratsam, nur kleine Flächen und keine Fenster in Richtung Hang zu bauen. 
  • Durch sogenannte Bodenverankerung können weitere Schäden und ein am Erdreich nahes Dach verhindert werden.
  • Eine Dammkonstruktion dient der Abschirmung.

Lawinenschutz bei bestehenden Gebäuden

  • Schützen Sie das Gebäude bei Gefährdung durch Schneelawinen mit einem Auffang- oder Ablenkdamm bzw.- mauer. Dabei sollten Sie achten, dass sich die Gefährdung auf benachbarten Grundstück nicht erhöht.
  • Schauen Sie, dass sie eine Verstärkung der Tragwerks und der betroffenen Öffnungen vorsehen. Grosse Öffnungen, die nicht gebraucht werden, permanent verschliessen oder durch widerstandsfähige Konstruktionen (verstärktes Glas, verstärkter Verbund Glas-Rahmen-Mauerwerk) schützen.
  • Überprüfen Sie auch die Nutzung der Aussenräume.
  • Wählen Sie im Zuge einer Dacherneuerung schwere Dachziegel.
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Häufige Fragen